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Benimm dich normal…

Holzschuhe

“Eigenlijk was het best wel leuk. Na een gezellig onderonsje met een kopje koffie en een koekje was het tijd voor een hapje en een drankje. Een kommetje soep ging er daarna wel in voordat we een dansje waagden op de dansvloer. Weliswaar was de bediening niet om over naar huis te schrijven en werd het een latertje, al met al was het toch een aardig avondje uit.”

Understatement und Verkleinerungswörter

Wer je versucht hat, einen solchen niederländischen Text ins Deutsche zu übersetzen, war vermutlich recht bald am Rande der Verzweiflung. Denn Niederländer sind Meister im Understatement und im Gebrauch von Verkleinerungswörtern. Hinter quasi jedem Wort kann man “-chen” setzen. Und wenn das gerade mal nicht klappt, wandelt man die Äußerung kurzerhand in ein Understatement um. Alles besser als eine kategorische Aussage.

Sind Niederländer unter sich, dann ist alles im grünen Bereich: Man versteht sich und liest zwischen den Zeilen, dass etwas, das “keinen Schönheitspreis verdient” einfach eine schlechte Leistung ist. Personen, die kulturell bedingt indirekt kommunizieren, halten Niederländer normalerweise sogar für sehr direkt, weil sie selbst viel häufiger „durch die Blume“ sprechen. Dies gilt jedoch nicht für die meisten Deutschen. Auf der einen Seite findet man die vielen Verkleinerungswörter und Understatements “witzig” und “niedlich”, aber dies gilt höchstens für den privaten Bereich. Im Geschäftsleben hat man ganz andere Erwartungen: Die Sprache soll dann klar und deutlich sein, gerne auch etwas formeller und vor allem bestimmt. Ein Geschäftspartner, der von sich selbst behauptet, “durchaus ein wenig Ahnung von der Sache zu haben”, wird in Deutschland nicht schnell ernst genommen.

Benimm dich normal…

Eine rhetorische Tradition kennen die Niederländer kaum. Rhetorik wird als “erhaben” betrachtet – und wäre im Widerspruch zur calvinistischen Devise “Benimm dich normal, das ist schon verrückt genug”. Sogar in der heutigen, entkirchlichten Zeit ist “Sich-normal-benehmen die Norm, für die wir eintreten müssen”, so der niederländische Ministerpräsident Rutte kurz vor den vergangenen Parlamentswahlen. In den Niederlanden spricht man, wie einem der Schnabel gewachsen ist, legt man sie auf akademische oder sonstige Titel wenig Wert und sind Status, Herkunft oder Ausbildung weniger wichtig als in manchen anderen Kulturen. Vor Gott sind ja alle Menschen gleich – nach wie vor ist die niederländische Gesellschaft von dieser calvinistischen Überzeugung geprägt. Die Folge: Eine egalitäre Gesellschaft und ein lockerer Umgangston, der auf Geselligkeit und Harmonie ausgerichtet ist. Daher die vielen Verkleinerungswörter und die Untertreibung. In vielen anderen Kulturen, wie auch der deutschen, ist es jedoch geradezu wichtig, sich durch Sprache, Titel, Kleidung oder Symbole zu unterscheiden und zu zeigen, wer man ist. Oder anders formuliert: Wer ein freundliches Gesicht zeigt, wird wohl wenig Einfluss haben und ein lockerer Umgangston ist vor allem Ausdruck schlechten Benehmens.

Empfehlung für Deutsche

Berücksichtigen Sie in Ihren Kontakten mit Niederländern, dass man gern und häufig Verkleinerungswörter, Understatement und Selbstironie verwendet. Dies hat nichts mit mangelnder Professionalität zu tun, sondern ist Ausdruck eines anderen Kommunikationsstils, der Teil der niederländischen egalitären Gesellschaft und des Bestrebens nach Geselligkeit und Harmonie ist.

Empfehlung für Niederländer

Zu einem professionellen Auftreten gehört in Deutschland eine Sprache, die mit dem gesellschaftlichen Status übereinstimmt. Verwenden Sie daher weniger Verkleinerungswörter, Understatement oder Selbstironie, sondern bedienen Sie sich der (gefühlten) Übertreibung und reden Sie mit mehr Bestimmtheit, als Sie es gewohnt sind.

Eine niederländische Version dieses Blogs ist erschienen auf aha24x7.

Autor:

Interkulturelle Trainerin, Beraterin und Change-Managerin. Bringt interkulturelle Kommunikation in Einklang. Denn Kommunikation verbindet.

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