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Ein Gesichtsausdruck sagt mehr als tausend Worte

Erstaunen oder Wut?

Gehören Sie auch zu den Menschen, die ein feines Gespür für Emotionen haben? Die mit einem Wimpernschlag erkennen, ob es ihrem Gesprächspartner gut oder schlecht geht? Solchen Menschen reichen Körpersprache oder Gesichtsausdruck, um Gefühle anderer Menschen zu erkennen und zu interpretieren. Und das geschieht meistens unbewusst. Alles andere wäre schlicht zu zeitintensiv: Würden wir alles um uns herum bewusst wahrnehmen, würden wir nie zu Ruhe kommen.

Lange waren Forscher davon überzeugt, dass Gesichtsausdrücke universal sind. In seinem Werk On the Expression of the Emotions in Man and Animals (Der Ausdruck der Gemütsbewegungen bei dem Menschen und den Tieren) legte Charles Darwin 1872 dar, dass Mensch und Tier Gefühle auf dieselbe Art und Weise ausdrücken – ein Erbe der Evolution. Seitdem wird immer wieder zu diesem Thema geforscht. Aus mehreren Studien geht inzwischen hervor, dass Gesichtsausdrücke nicht immer und überall auf dieselbe Art und Weise gedeutet werden. Eine aktuelle Studie einer spanisch-amerikanischen Forschergruppe bestätigt dies.

Hierzu ist das Forscherteam zu den Trobiand-Inseln gereist, einer Inselgruppe 200 Kilometer östlich von Papua-Neuguinea. Den hier lebenden Trobiandern wurden Bilder mit unterschiedlichen Gesichtsausdrücken vorgelegt. Die Probanden wurden gebeten, die Gesichtsausdrücke mit Emotionen wie z. B. Freude, Angst, Wut oder Trauer zu assoziieren. In den meisten Fällen interpretierten die Trobiander die gezeigten Gesichtsausdrücke richtig, aber es gab eine erhebliche Abweichung: Ein Gesicht mit weit geöffnetem Mund und Augen wurde von den Trobiandern mit Wut und Bedrohung assoziiert, während Probanden aus westlichen Kulturkreisen darin eher Schrecken oder Staunen sahen.

Was könnte hierfür die Ursache sein? Möglicherweise spielt die Kultur der Trobiander eine Rolle, so die Forscher. Eine alte Legende erzählt die Geschichte eines Mannes, der den Geist seiner kürzlich verstorbenen Schwiegermutter als große Augen in einer dunklen Ecke des Hauses wahrnimmt. Vor lauter Schrecken gießt er heiße Suppe über sie. Daraufhin spricht sie den Fluch aus, dass Menschen keine Geister mehr sehen können. Und daher sollen die Trobiander Gesichter mit weit geöffnetem Mund und Augen – in ihrer Sprache ekapunipuni matala – mit bösartigen Wesen wie Hexen und Geistern assoziieren.

Wenn Sie also das nächste Mal den Gesichtsausdruck Ihres anderskulturellen Gesprächspartners interpretieren, halten Sie dann einen kurzen Moment inne und überlegen Sie sich, ob Ihr Gesprächspartner wirklich das zum Ausdruck bringt, was Sie in seinem Gesicht lesen.

Autor:

Interkulturelle Trainerin, Beraterin und Change-Managerin. Bringt interkulturelle Kommunikation in Einklang. Denn Kommunikation verbindet.

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